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MeditationOst · West
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Mantra und Gesang: Meditieren mit der Stimme

Nicht jede Meditation ist still. Viele Traditionen üben mit der Stimme: halblaut gemurmelt, gesungen, im Chor rezitiert. Die Formen reichen vom einsilbigen Om bis zum mehrstimmigen Choral. Hier berühren sich Ost und West besonders deutlich.

Aktualisiert am · Lesezeit etwa 4 Minuten

Die Kirche der Versöhnung in Taizé, ein schlichter Bau mit Holzfassade
Die Kirche der Versöhnung in Taizé (Burgund). Die kurzen, vielfach wiederholten Gesänge der Communauté werden heute weltweit gesungen. Bild: Syrio · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Warum Wiederholung sammelt

Das Grundprinzip ist einfach. Ein kurzer Satz, ein Wort oder eine Silbe wird immer wieder gesprochen oder gesungen. Die Wiederholung gibt dem Geist etwas zu tun, das ihn nicht zerstreut, und sie bindet den Atem in einen gleichmäßigen Rhythmus. Wer laut singt, atmet automatisch langsamer aus. Das allein wirkt beruhigend. Hinzu kommt die Bedeutung der Worte, und zwar in allen Traditionen: Sie sind nicht beliebig, sondern heilig.

Östliche Formen

  • Om: Die Silbe gilt in den indischen Religionen als Urklang. Sie steht am Anfang vieler Rezitationen und wird oft allein gesummt.
  • Mantra-Rezitation: Im Hinduismus und im tibetischen Buddhismus werden Mantras an einer Kette mit 108 Perlen gezählt, etwa Om maṇi padme hūṃ. Mehr dazu im Beitrag über tibetische Meditation.
  • Nembutsu: Im japanischen Buddhismus des Reinen Landes rufen die Gläubigen den Namen des Buddha Amida an: Namu Amida Butsu. Hōnen (1133–1212) machte diese Anrufung zur zentralen Übung für alle, auch für jene, die keine Zeit für Klosterdisziplin haben.
  • Sutra-Rezitation: In Zen-Klöstern werden Texte wie das Herz-Sutra im gleichmäßigen Rhythmus zum Schlag eines hölzernen Fischs (mokugyo) rezitiert.
  • Kirtan: Im hinduistischen Bhakti-Yoga singt eine Gruppe Götternamen im Wechsel, oft immer schneller werdend.

Westliche Formen

  • Jesusgebet: Die kurze Formel der Ostkirche, verbunden mit dem Atem, ist das deutlichste westliche Gegenstück zum Mantra. Siehe Herzensgebet.
  • Rosenkranz: Das Gebet mit Vaterunser und wiederholten Ave Maria an einer Perlenkette entwickelte sich im späten Mittelalter. Es verbindet die Wiederholung mit der Betrachtung von Szenen aus dem Leben Jesu.
  • Gregorianischer Choral: Der einstimmige lateinische Gesang der Westkirche ist nach Papst Gregor dem Großen benannt, entstand aber in seiner überlieferten Form erst im 8. und 9. Jahrhundert im Frankenreich. Mönche singen im Stundengebet über die Woche verteilt alle 150 Psalmen.
  • Taizé-Gesänge: In der ökumenischen Brüdergemeinschaft von Taizé in Burgund, die Frère Roger 1940 gründete, entstanden seit den 1970er-Jahren kurze, mehrstimmige Liedrufe. Sie werden minutenlang wiederholt, gefolgt von einer Zeit der Stille.
MerkmalÖstliches BeispielWestliches Beispiel
kurze FormelOm maṇi padme hūṃJesusgebet
Name als AnrufungNembutsu„Jesus Christus“
ZählketteMala mit 108 PerlenRosenkranz, Gebetsschnur
GemeinschaftsgesangKirtan, Sutra-RezitationChoral, Taizé

Was eine Studie zeigte

2001 veröffentlichte eine italienische Forschergruppe um Luciano Bernardi im British Medical Journal eine kleine, viel beachtete Untersuchung. Sie maß die Atmung von Versuchspersonen, während diese das Ave Maria auf Latein beteten oder ein Yoga-Mantra rezitierten. In beiden Fällen verlangsamte sich der Atem auf etwa sechs Züge pro Minute. Das ist ein Rhythmus, der Herzschlag und Blutdruckregulation messbar in Einklang bringt. Die Autoren vermuteten, dass sich solche Gebetsformen gerade deshalb über Jahrhunderte gehalten haben. Die Studie war klein, sie gibt aber einen schönen Hinweis darauf, warum Wiederholung so gut beruhigt.

Stimme als Tor zur Stille

Viele Menschen, denen das stille Sitzen schwerfällt, finden über das Singen einen leichteren Zugang. Die Stimme gibt Halt, und man hört sofort, ob man bei der Sache ist. In Taizé wie in Zen-Klöstern folgt auf den Gesang die Stille. Der Klang bereitet sie vor und klingt in ihr nach. Wer mit einem Klang beginnen möchte, ohne zu singen, kann auch mit einer Klangschale arbeiten. Man sollte dabei allerdings deren tatsächliche Geschichte kennen.

Ein Anfang

Wählen Sie ein kurzes Wort oder einen Satz, der Ihnen etwas bedeutet. Das kann ein religiöser Satz sein, ein Wort wie „Friede“ oder die Silbe Om. Sprechen Sie ihn fünf Minuten lang halblaut im Rhythmus eines ruhigen Ausatmens, dann fünf Minuten nur noch innerlich. Bleiben Sie danach einige Minuten ganz still. Achten Sie darauf, wie sich die Stille nach dem Klang anfühlt.

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