Lotussitz und andere Arten, still zu sitzen
Im Lotussitz sitzen der Buddha, der Yogi und die Werbefigur für Entspannungstee. Die Haltung ist tatsächlich stabil und würdevoll, für viele Menschen aus dem Westen aber schwer zu erreichen. Die gute Nachricht: Die Tradition kennt Alternativen.
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Warum überhaupt auf dem Boden?
Die Bodenhaltungen der östlichen Meditation haben einen praktischen Grund. In Indien, China und Japan saß man traditionell auf dem Boden. Die Haltung sollte über lange Zeit stabil bleiben, ohne dass Muskeln sie aktiv halten müssen. Ein Dreieck aus Gesäß und beiden Knien bildet eine breite Basis, auf der die Wirbelsäule ohne Anstrengung aufgerichtet bleibt. Die Haltung ist also kein Selbstzweck. Sie soll ermöglichen, den Körper zu vergessen, ohne einzuschlafen.
Die Haṭhayogapradīpikā aus dem 15. Jahrhundert beschreibt eine Reihe von Sitzhaltungen und hebt den „vollkommenen Sitz“ (siddhāsana) als besonders wichtig hervor. Beim Siddhasana liegt eine Ferse am Damm, die andere darüber. Der Lotussitz gilt dort als gleichwertig.
Padmasana: der volle Lotus
Im vollen Lotussitz liegt der rechte Fuß auf dem linken Oberschenkel, der linke auf dem rechten, die Fußsohlen zeigen nach oben. Die Knie berühren den Boden. Die Haltung ist extrem stabil, verlangt aber viel Außenrotation im Hüftgelenk.
Alternativen, die in den Traditionen üblich sind
- Halber Lotus (ardha padmāsana): Nur ein Fuß liegt auf dem gegenüberliegenden Oberschenkel, der andere unter dem Knie. Die Seiten sollten regelmäßig gewechselt werden, damit das Becken nicht schief wird.
- Burmesischer Sitz: Beide Unterschenkel liegen voreinander flach auf dem Boden, keiner auf dem anderen. Diese Haltung ist in Zen-Gruppen weit verbreitet und für viele Menschen am leichtesten.
- Schneidersitz (sukhāsana, „bequemer Sitz“): Die Beine sind gekreuzt, die Knie schweben oft in der Luft. Mit einem hohen Kissen darunter wird er stabiler.
- Fersensitz (seiza, in Indien vajrāsana): Man kniet und sitzt auf den Fersen, besser noch auf einem Kissen oder Bänkchen zwischen den Unterschenkeln.
- Stuhl: Die Füße stehen flach auf dem Boden, der Rücken löst sich von der Lehne. Auch der Buddhismus kennt die Stuhlhaltung. Einige Darstellungen des künftigen Buddha Maitreya zeigen ihn sitzend „wie auf einem Thron“.
Was in jeder Haltung gleich bleibt
Die christliche Tradition hat eigene Gebetshaltungen, etwa das Knien oder das aufrechte Sitzen auf der Kirchenbank. Die Grundregeln sind überall ähnlich:
- Das Becken trägt. Die Sitzbeinhöcker liegen fest auf, das Becken kippt minimal nach vorn, sodass die Lendenwirbelsäule ihre natürliche Krümmung behält.
- Der Scheitel strebt nach oben. Das Kinn ist leicht eingezogen, der Nacken lang.
- Die Schultern hängen. Die Hände liegen im Schoß oder auf den Oberschenkeln.
- Die Haltung darf atmen. Der Bauch bleibt weich, der Gürtel locker.
Wie Sie Ihre Haltung finden
Probieren Sie verschiedene Haltungen mit Kissen unterschiedlicher Höhe aus. Ein höheres Kissen lässt die Knie sinken und entlastet die Hüfte. Der Beitrag Meditationskissen und andere Hilfsmittel erklärt die gängigen Formen. Bleiben Sie zunächst zehn Minuten in einer Haltung und beobachten Sie, was geschieht. Leichtes Kribbeln in den Füßen ist harmlos, ziehende Schmerzen im Knie nicht. Wechseln Sie lieber einmal die Beine oder stehen Sie auf, als sich durchzukämpfen.
Nach einigen Wochen regelmäßigen Sitzens werden die meisten Menschen beweglicher. Hüftöffnende Übungen aus dem Hatha Yoga können das unterstützen. Auf Dauer ist aber nicht die spektakulärste Haltung die beste. Die beste ist die, in der Sie am längsten ruhig, aufrecht und wach bleiben können.