Weiterbildung für Yoga- und Meditationslehrende
Die Grundausbildung ist abgeschlossen, die ersten Kurse laufen. Spätestens dann merken die meisten Lehrenden, wie viel sie noch nicht wissen. Das Angebot an Workshops ist riesig und unübersichtlich. Ein paar Kriterien helfen bei der Auswahl.
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Ein ungeschützter Beruf
In Deutschland ist die Bezeichnung „Yogalehrer“ nicht geschützt. Jeder darf sie führen. Verbreitet sind Ausbildungen mit 200 Stunden nach den Standards der internationalen Registrierungsstelle Yoga Alliance. Deutsche Berufsverbände verlangen deutlich umfangreichere, mehrjährige Ausbildungen. Wer Kurse anbieten möchte, die Krankenkassen als Präventionsmaßnahme bezuschussen, muss eigene, strengere Anforderungen erfüllen. Für Meditationslehrende ist die Lage noch unübersichtlicher, denn hier reicht das Spektrum von traditionellen Lehrerlinien bis zu Wochenendzertifikaten.
Umso wichtiger ist kontinuierliche Weiterbildung. Die meisten Verbände verlangen von ihren Mitgliedern ohnehin regelmäßige Fortbildungsstunden.
Anatomie und Bewegung
Viele Grundausbildungen streifen die Anatomie nur. Ein Aufbauworkshop sollte vor allem praxisnah sein: Wie unterscheiden sich Körper in ihrer Beweglichkeit? Warum kommt eine Person nie in den Lotussitz, egal wie lange sie übt? Welche Haltungen belasten Handgelenke, Nacken und Knie? Gute Anatomie-Workshops lehren, Unterschiede zu sehen, statt allen Teilnehmenden dieselbe Idealform aufzuzwingen.
Lehrmethodik
Wie baut man eine Stunde auf, wie formuliert man Anleitungen klar und knapp, wie geht man mit gemischten Gruppen um? Workshops zur Lehrmethodik arbeiten oft mit Probestunden und Rückmeldungen. Dabei zeigt sich schnell, wie viel man redet und wie wenig davon ankommt. Eine alte Faustregel aus der Meditationsanleitung gilt auch hier: So wenig Worte wie möglich, so viele wie nötig.
Feedback und Berührung
Korrekturen durch Berührung waren in manchen Yogaschulen lange selbstverständlich. Heute ist man vorsichtiger, und das zu Recht. In mehreren großen Yoga- und Meditationsgemeinschaften wurden Fälle von Grenzüberschreitungen bekannt. Gute Workshops zum Thema Assistenz lehren, vorher zu fragen, Alternativen ohne Berührung anzubieten und auf Signale zu achten. Manche Lehrende arbeiten mit kleinen Karten, mit denen Teilnehmende anzeigen können, ob sie berührt werden möchten.
Philosophie und Hintergrund
Wer Yoga unterrichtet, wird nach dem Sinn gefragt. Workshops zur Yoga-Philosophie helfen, Yogasutra, Bhagavad Gita und die Geschichte des modernen Yoga einzuordnen. Dazu gehört auch ein kritischer Blick auf Mythen, etwa über das angebliche Alter bestimmter Übungen.
Meditation anleiten
Viele Yogalehrende möchten Meditation in ihre Stunden einbauen. Das erfordert eigene Übung und eigenes Wissen. Wichtige Themen sind:
- die eigene, regelmäßige Meditationspraxis als Voraussetzung
- der Unterschied zwischen Entspannung, Achtsamkeit und traditionellen Meditationsformen
- traumasensibles Anleiten: Wahlmöglichkeiten, offene Augen, kurze Einheiten
- der Umgang mit schwierigen Erfahrungen bei Teilnehmenden
- klare Grenzen: Wann verweist man an Ärztinnen, Ärzte oder Psychotherapie?
Austausch unter Kolleginnen und Kollegen
Ein unterschätzter Wert von Workshops ist der Austausch. Lehrende arbeiten oft allein und haben wenig Gelegenheit, über schwierige Situationen zu sprechen. Intervisionsgruppen, in denen man sich regelmäßig über Fälle austauscht, sind eine gute Ergänzung zu Workshops. Sie kosten wenig und bringen viel.
Die eigene Praxis nicht vergessen
Wer viel unterrichtet, übt oft selbst zu wenig. Die Traditionen sind sich einig: Man kann nur weitergeben, was man selbst übt. Manchmal ist die beste Weiterbildung deshalb kein Methodenkurs, sondern ein Retreat, in dem man einfach wieder Schülerin oder Schüler ist. Der Beitrag über Meditation für Fortgeschrittene gibt dazu Anregungen.