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Im Alltag

Verbindung zur Natur: Meditation draußen, zu jeder Jahreszeit

Der Buddha erwachte der Überlieferung nach unter einem Baum, die Wüstenväter beteten unter freiem Himmel, und japanische Zen-Klöster sind um Gärten gebaut. Meditation und Natur gehören seit jeher zusammen. Draußen zu üben, ist zudem für viele Menschen leichter als im Zimmer.

Aktualisiert am · Lesezeit etwa 4 Minuten

Ein Waldweg im Morgennebel, Sonnenlicht fällt durch die Bäume
Ein Waldweg im Morgenlicht. Gehen in gleichmäßigem Tempo ist eine der einfachsten Formen, draußen zu meditieren. Bild: Hannes Flo from Austria · CC BY 2.0 · Wikimedia Commons

Warum draußen?

Draußen gibt es mehr zu spüren: Wind, Temperatur, Licht, Geräusche, den Untergrund unter den Füßen. Was wie Ablenkung klingt, ist für viele Menschen ein Geschenk, denn die Aufmerksamkeit findet leichter einen Anker in der Gegenwart. Dazu kommt, dass Aufenthalte im Grünen nach zahlreichen Studien Stress senken und die Stimmung heben. Wie groß dieser Effekt ist und woran genau er liegt, ist allerdings noch nicht abschließend geklärt.

Gehmeditation

Die einfachste Form ist das Gehen. In Zen-Klöstern heißt es Kinhin und ist sehr langsam, in der Theravāda-Tradition geht man eine kurze Strecke hin und zurück und beobachtet jede Phase des Schritts: Heben, Bewegen, Setzen. Draußen darf es natürlicher sein:

  1. Gehen Sie etwas langsamer als gewohnt, die Arme locker.
  2. Spüren Sie, wie die Fußsohle den Boden berührt, abrollt, sich löst.
  3. Verbinden Sie den Atem mit den Schritten, etwa drei Schritte ein, drei Schritte aus.
  4. Wenn Sie abschweifen, bleiben Sie kurz stehen, nehmen drei Atemzüge und gehen weiter.

Waldbaden

Die japanische Forstbehörde prägte 1982 den Begriff Shinrin-yoku, wörtlich „Baden in der Waldatmosphäre“. Gemeint ist ein langsamer, absichtsloser Aufenthalt im Wald, bei dem man alle Sinne öffnet: die Rinde fühlen, Moos riechen, dem Rauschen der Blätter zuhören. Mit Wandern hat das wenig zu tun, die Strecke ist Nebensache. In Deutschland werden inzwischen vielerorts geführte Waldbaden-Gänge angeboten.

Sitzen am Wasser, unter einem Baum

Wer lieber sitzt, sucht sich einen Platz mit Blick auf Wasser, Wiese oder Himmel. Setzen Sie sich auf ein Sitzkissen oder eine Isomatte und lassen Sie die Augen halb offen. Hören Sie den Geräuschen zu, ohne sie zu benennen. Oder lassen Sie den Blick auf der Wasseroberfläche ruhen und nehmen Sie wahr, wie Wellen, Licht und Spiegelungen sich ständig verändern. Das ist eine anschauliche Übung in Vergänglichkeit.

Jahreskreis mit den vier Jahreszeiten als Viertel eines KreisesFrühlingSommerHerbstWinter
Jede Jahreszeit bietet eigene Anker für die Aufmerksamkeit: Aufbruch, Fülle, Loslassen und Stille.

Übungen für jede Jahreszeit

Frühling: Wachsen sehen. Wählen Sie einen Zweig oder eine Pflanze in der Nähe und besuchen Sie sie jede Woche. Betrachten Sie sie einige Minuten lang genau. Diese Übung erinnert an die Samenkorn-Meditation Rudolf Steiners, bei der man das künftige Wachstum innerlich mitvollzieht.

Sommer: Hören. Früh am Morgen oder in der Abendkühle sitzen und nur hören: Vögel, Insekten, fernen Verkehr, Wind. Zählen Sie nicht, benennen Sie nicht. Lassen Sie die Geräusche kommen und gehen.

Herbst: Loslassen. Beobachten Sie fallende Blätter. Bei jedem Ausatmen denken Sie still „lassen“. Der Herbst ist eine natürliche Einladung, über Vergänglichkeit zu meditieren. Das gilt im Buddhismus ebenso wie in der christlichen Tradition, die im November der Verstorbenen gedenkt.

Winter: Stille und Kälte. Ein kurzer Gang in klarer Winterluft, die Kälte auf der Haut bewusst spüren, den sichtbaren Atem beobachten. Im Winter reichen zehn Minuten. Danach bewusst ins Warme zurückkehren und den Unterschied wahrnehmen.

Praktische Hinweise

  • Kleidung: Im Sitzen kühlt man schnell aus. Nehmen Sie eine Schicht mehr mit, als Sie beim Gehen bräuchten, und etwas zum Unterlegen.
  • Zecken: In vielen Regionen Deutschlands sind Zecken von Frühjahr bis Herbst aktiv. Lange Kleidung und das Absuchen nach dem Aufenthalt im Gras gehören dazu.
  • Ort: Ein ruhiger Platz in der Nähe, der regelmäßig erreichbar ist, ist mehr wert als der spektakuläre Aussichtspunkt, den man zweimal im Jahr besucht.
  • Sicherheit: Wer allein im Wald übt, sagt jemandem Bescheid und hat das Telefon im Flugmodus, aber dabei.

Die Natur als Lehrerin

Viele Traditionen sehen in der Natur mehr als eine Kulisse. Der Zen-Lehrer Dōgen schrieb über die Berge und Flüsse als Ausdruck der Wahrheit. Franz von Assisi sang den Sonnengesang auf Bruder Sonne und Schwester Mond. Ob man das religiös versteht oder nicht: Wer draußen übt, erlebt sich als Teil von etwas Größerem. Für viele ist das der Moment, in dem Meditation aufhört, eine Technik zu sein.

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