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Yoga

Yoga-Arten im Vergleich: welcher Stil passt zu wem?

Wer Yoga lernen will, steht vor einer verwirrenden Auswahl. Die Namen klingen alt und indisch, die meisten Stile sind aber im 20. Jahrhundert entstanden. Für Menschen, die über Yoga zur Meditation finden wollen, ist eine Frage besonders wichtig: Wie viel Raum lässt ein Stil für Atem, Stille und Innenschau?

Aktualisiert am · Lesezeit etwa 4 Minuten

Grobe Einordnung von Yogastilen nach körperlicher Intensität und Anteil innerer Arbeit – eine Orientierung, keine Messungkörperliche Intensität →↑ Anteil von Atem, Stille, InnenschauHathaVinyasaAshtangaIyengarYinKundaliniRestorativeBikram/Hot
Eine grobe Orientierung: Yogastile unterscheiden sich in körperlicher Intensität und im Anteil innerer Arbeit. Die Position hängt stark von der einzelnen Lehrkraft ab.

Ein gemeinsamer Ursprung

Fast alle bekannten Yoga-Stile gehen auf den Hatha Yoga zurück, der ab dem 11. Jahrhundert in Indien schriftlich greifbar wird. Das moderne Übungssystem mit vielen Körperhaltungen und fließenden Abfolgen entstand aber erst im 20. Jahrhundert. Eine Schlüsselfigur war Tirumalai Krishnamacharya (1888–1989), der in Mysore unterrichtete. Zu seinen Schülern gehörten B. K. S. Iyengar, K. Pattabhi Jois und sein Sohn T. K. V. Desikachar. Jeder von ihnen entwickelte einen eigenen Stil, der heute weltweit verbreitet ist.

Die wichtigsten Stile

Hatha Yoga. Im Westen ist das der Sammelbegriff für einen ruhigen, klassischen Unterricht: Körperhaltungen, die einige Atemzüge gehalten werden, Atemübungen, Endentspannung. Als Einstieg eignet er sich gut. Mehr im Beitrag Hatha Yoga.

Vinyasa oder Flow Yoga. Die Haltungen werden im Rhythmus des Atems fließend miteinander verbunden. Das ist dynamisch und oft schweißtreibend. Die Abfolgen wechseln je nach Lehrkraft.

Ashtanga Yoga. Der von Pattabhi Jois geprägte Stil folgt festen Serien, die in immer gleicher Reihenfolge geübt werden. Im „Mysore-Stil“ übt jeder in seinem Tempo, und die Lehrkraft geht von Matte zu Matte. Durch die Wiederholung kann die Übung selbst meditativen Charakter bekommen.

Iyengar Yoga. B. K. S. Iyengar (1918–2014) legte größten Wert auf präzise Ausrichtung und führte Hilfsmittel wie Blöcke, Gurte und Decken ein. Sein Buch Licht auf Yoga wurde zu einem Standardwerk. Haltungen werden länger gehalten und genau erklärt.

Yin Yoga. Haltungen vor allem im Sitzen und Liegen werden drei bis fünf Minuten gehalten, möglichst entspannt. Der Stil entstand in den 1980er- und 1990er-Jahren in den USA. Er verbindet Dehnung mit langem Verweilen und ist für Meditierende besonders naheliegend.

Kundalini Yoga. Kraftvolle Atemübungen, Bewegungsfolgen, Mantras und Meditationen mit festgelegter Dauer. Zur Herkunft und zur Kritik siehe den Beitrag Kundalini-Meditation.

Hot Yoga. Eine feste Abfolge in einem auf etwa 40 Grad beheizten Raum. Der Stil ist anstrengend und wegen der Hitze nicht für alle geeignet. Sein Begründer steht wegen schwerer Vorwürfe in der Kritik.

Restorative Yoga. Wenige, vollständig abgestützte Liegehaltungen, lange gehalten. Das ist fast reine Entspannung und steht Yoga Nidra nahe.

Partner- und Acro-Yoga. Übungen zu zweit oder in Gruppen, bei Acro-Yoga mit akrobatischen Elementen, bei denen eine Person die andere trägt. Das stärkt Vertrauen und macht Spaß. Mit Meditation im engeren Sinn hat es aber wenig zu tun.

StilTempoStille, Atem, Innenschaugeeignet für
HatharuhigmittelEinsteiger, Allrounder
Vinyasafließend bis schnelleher geringBewegungsfreudige
Ashtangafordernd, festmittel (durch Wiederholung)Disziplinierte
Iyengarlangsam, genaumittelPräzise, Menschen mit Beschwerden
Yinsehr ruhighochMeditierende, Gestresste
KundaliniwechselndhochExperimentierfreudige, mit Vorsicht
Restorativesehr ruhighochErschöpfte, Genesende

Worauf es wirklich ankommt

Der Name des Stils sagt weniger aus, als man denkt. Eine Hatha-Stunde kann sportlich sein, eine Vinyasa-Stunde meditativ. Entscheidend sind die Lehrkraft, die Gruppengröße und die Frage, ob Atem und Stille Raum bekommen. Wenn Sie über Yoga zur Meditation finden wollen, achten Sie auf Stunden, die mit einigen Minuten stillen Sitzens beginnen oder enden und in denen der Atem nicht nur nebenbei erwähnt wird.

Yoga und Meditation

Im Yogasutra des Patanjali sind Körperhaltungen nur eines von acht Gliedern. Ihr Zweck ist, sinngemäß, einen festen und angenehmen Sitz zu ermöglichen. Die Meditation (dhyāna) folgt erst später auf dem Weg. Wer das im Kopf behält, sieht die Yogastunde mit anderen Augen: als Vorbereitung des Körpers für die Stille. Mehr dazu im Beitrag Yoga-Philosophie.

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