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Yoga

Shavasana: die schwierigste leichte Haltung

Am Ende fast jeder Yogastunde liegt man einige Minuten still auf dem Rücken. Viele halten das für eine Pause. Lehrer nennen Shavasana dagegen gern die schwierigste Haltung überhaupt, weil es nichts zu tun gibt, außer wirklich loszulassen.

Aktualisiert am · Lesezeit etwa 3 Minuten

Schema einer liegenden Person, über dem Körper eine gestrichelte Linie mit Punkten für die wandernde Aufmerksamkeit
In Shavasana liegt man ausgestreckt auf dem Rücken. Die Aufmerksamkeit kann ruhig durch den Körper wandern, bis alles schwer und still wird.

Die „Leichenhaltung“

Śava heißt im Sanskrit „Leichnam“, āsana „Sitz“ oder „Haltung“. Shavasana ist also wörtlich die Totenstellung. Schon die Haṭhayogapradīpikā aus dem 15. Jahrhundert beschreibt sie. Man liege auf dem Rücken wie ein Leichnam, das nehme die Müdigkeit und schenke dem Geist Ruhe, heißt es dort sinngemäß. Der Name ist nicht makaber gemeint. Er beschreibt eine vollkommene Reglosigkeit, ein Aufgeben jeder Anstrengung.

In manchen Traditionen hat die Haltung auch eine tiefere Bedeutung. Wer täglich „wie tot“ daliegt, übt, loszulassen und nicht mehr festzuhalten. Hier berührt sich Shavasana mit der buddhistischen Betrachtung der Vergänglichkeit und dem christlichen memento mori, dem Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit.

So wird Shavasana geübt

  1. Legen Sie sich auf den Rücken, die Beine etwas mehr als hüftbreit geöffnet, die Füße fallen locker nach außen.
  2. Die Arme liegen etwas vom Körper entfernt, die Handflächen zeigen nach oben.
  3. Der Hinterkopf liegt so, dass der Nacken lang ist. Bei Bedarf hilft ein flach gefaltetes Tuch.
  4. Schließen Sie die Augen und lassen Sie den Körper schwer werden, von den Füßen bis zum Gesicht.
  5. Lassen Sie den Atem von selbst fließen, ohne ihn zu lenken.
  6. Bleiben Sie mindestens fünf, besser zehn Minuten liegen.
  7. Zum Beenden vertiefen Sie den Atem, bewegen Finger und Zehen, rollen sich auf die rechte Seite und kommen langsam hoch.

Warum es so schwer ist

Im Liegen tauchen die Gedanken erst richtig auf: der Einkauf, das Gespräch von gestern, die Frage, ob man die Stunde richtig gemacht hat. Wer im Alltag immer aktiv ist, erlebt das Nichtstun manchmal sogar als unangenehm. Zwei Gefahren liegen nahe beieinander: einschlafen oder innerlich weiterarbeiten. Shavasana verlangt, dazwischen zu bleiben, wach und entspannt zugleich. Das ist die Grundhaltung der Meditation.

Varianten

In der Schwangerschaft wird ab dem zweiten Drittel meist empfohlen, nicht lange flach auf dem Rücken zu liegen. Die Seitenlage mit einem Kissen zwischen den Knien ist eine gute Alternative. Wer sich im Liegen mit geschlossenen Augen unwohl fühlt, etwa bei Traumafolgen, kann die Augen offen lassen und den Blick auf einen Punkt an der Decke richten. Auch eine bequeme Sitzhaltung mit Rückenlehne ist dann eine gute Endentspannung.

Vom Shavasana zur Meditation

Shavasana ist die natürliche Brücke zwischen Körperübung und stiller Meditation. Wer mag, erweitert die Endentspannung um eine Körperreise oder um eine strukturierte Yoga-Nidra-Anleitung. Andere setzen sich nach dem Liegen noch einige Minuten aufrecht hin und sitzen in Stille. Die Klassiker des Hatha Yoga hätten das begrüßt, denn für sie waren die Körperhaltungen immer Vorbereitung auf die Meditation.

Shavasana im Alltag

Auch außerhalb der Yogastunde kann Shavasana helfen: zehn Minuten in der Mittagspause auf dem Boden, nach einem anstrengenden Tag oder bevor man abends in die Familie zurückkehrt. Stellen Sie sich einen Wecker, damit Sie nicht auf die Uhr schauen müssen. Viele Menschen stellen erstaunt fest, wie erholsam zehn Minuten bewusstes Liegen sein können. Das ist kein Mittagsschlaf, sondern eine kleine Übung darin, nichts zu tun.

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